Google StreetView – Alternativen


Google Street View: Hatte der Saturn am Alex nicht schon auf? Achso, 2008...

Google Street View: Hatte der Saturn am Alex nicht schon auf? Achso, das ist 2008…

Wenn ich nach einem Restaurant oder einem Geschäft Ausschau halte, schaue ich gerne auch mal in Google StreetView vorbei, um zu sehen wie der Laden von außen ausschaut. Doch immer öfter stelle ich enttäuscht fest, dass der Laden in StreetView nicht zu sehen ist. Oder ist die Adresse falsch angegeben? Aber nein, es liegt wohl am Alter der 360°-Bilder, die Google 2008/2009 aufgenommen und wegen des erheblichen Gegenwinds der Datenschützer erst Ende 2010 veröffentlicht hatte. Und, in Berlin lebend, stelle ich fest, dass ich im Luxus bade, schließlich hat Google in Deutschland nur eine größere Zahl an Städten befahren, den Rest des Landes jedoch außen vor gelassen. An eine Erneuerung der Daten denke man aktuell nicht – lohnt den Aufwand nicht, zumindest nicht in Deutschland (siehe Artikel von 2011). Rechts eine Karte der aktuellen Lage (Abdeckung in blau).

Also schaue ich mich nach Alternativen um. sightwalk.de hatte bereits vor Google einen sehr ansehnlichen Bilderservice für Köln und weitere Städte veröffentlicht, inzwischen jedoch die Segel gestrichen – ebenfalls wegen unseres anspruchsvollen Datenschutzes.

Yahoo Maps / Here

Yahoo Maps / Here

Microsoft startete einst mit Bing einen solchen Service, hat diesen aber 2012 aus den gleichen Gründen in Deutschland wieder aufgegeben. Inzwischen gehört dem Unternehmen die Marke Nokia und damit auch deren here-Maps. Hier finden sich in Europa z.B. Straßenaufnahmen von London, Madrid oder Paris. Aber kein Deutschland… Der gleiche Datensatz findet sich übrigens auch bei Yahoo Maps. Siehe Screenshot links, mit dem kleinen here-Logo in der Ecke.

Mapillary: ganz schön dunkel bei der Beuth. Prinzip OSM: net meckern, selber machen!

Mapillary: ganz schön dunkel bei der Beuth. Prinzip OSM: nicht meckern, selber machen!

Die meisten Big Player habe ich nun abgegrast. Wen gibt es denn sonst noch auf dem Karten-Markt? Richtig – OpenStreetMap! Und tatsächlich, es gibt eine OpenSource-Variante von StreetView, genannt Map…il…lary… what ever… Per App (für Android, Apple und Windows) kann jeder Panoramen von einzelnen Standpunkten aufnehmen oder im bestimmten Intervall viele Fotos hintereinander schießen, um so eine ganze Strecke zu erfassen. Die Qualität schwankt dementsprechend immens, je nach Hardware, Sonnenstand, Wetter, Gefühl… Der große Vorteil: die Daten werden kontinuierlich aktualisiert. Leider kann sich die Benutzerführung wahrlich nicht mit dem großen Vorbild messen. Die Verknüpfung entlang einer Bilderstrecke funktioniert tadellos. Läuft eine weitere Fotospur parallel (z.B. für die entgegengesetzte Richtung), klappt der Übersprung nur mäßig. Und natürlich kann Mapillary auch keine Rundumansicht bieten, wenn der Nutzer nur eine Reihe von Einzelfotos geschoßen hat. Wurden die Fotos aus dem fahrenden Auto generiert und schaute die Kamera dabei immer geradeaus, erhalten wir prächtige Zeugnisse von Deutschlands Straßenbaukunst… nur die Ansichten links und rechts des Wagens kommen dabei etwas kurz. Rechts so ein unrühmliches Beispiel aus Berlin. Die Beuth Hochschule ist einfach nicht zu sehen.

Mapillary_AbdeckungAber was solls, im erweiterten Tal der Ahnungslosen sind wir froh, wenn wir auch außerhalb der Großstädte irgendwelche Ansichten bekommen. Links ein Bild von der Abdeckung im westlichen Europa, sowie einen Blick nach Mallorca.

Insofern nutze ich Mapillary vor allem, wenn ich in einem Gebiet etwas suche, das nicht durch Google abgedeckt wird oder unbedingt möglichst aktuelle Bilder benötige. Here/Bing/Yahoo sind hingegen in Europa kaum der Rede wert.

Übrigens baut auch Google auf eure Mitarbeit. Nicht nur können Fehler in den Kartendaten per Map Maker korrigiert werden, mit Google Maps Views (Update Nov. 2015: inzwischen ins Seitenmenü von Maps integriert > Eigene Beiträge) lassen sich auch eigene Fotos und Panoramen in den Dienst einpflegen und sogar zu kompletten Strecken zusammensetzen. Diese werden schließlich, nach einer entsprechenden Kontrolle seitens Google, in Maps sichtbar, wenn ihr dort mit dem kleinen gelben Männchen über die Karte fahrt.

Bei Wikipedia wird eine Liste über derartige StreetView-Services geführt, mit Details zu einzelnen Ländern.


Über Martin Vigerske

Hat 2005 sein Diplom und 2008 seinen Master in Kartographie und Geoinformation an der Beuth Hochschule für Technik Berlin (bzw TFH) beendet und arbeitet dort seit 2006 als Technischer Mitarbeiter im Labor für Geomedien.