Street View in 20 deutschen Städten


Die ganze Welt ist eine Google. Die ganze? Nein, ein kleines Hinterwäldler-Land weigerte sich bis jetzt eifrig gegen Googles Straßenablichtung – bis jetzt. Seit heute morgen ist Google Street View endlich auch in Deutschland zu betrachten. Was vor Wochen mit dem attraktiven Touristen-Dorf Oberstaufen begann, welches Google mit einer Torte dazu aufforderte es doch endlich ins Netz zu bringen, führte vor kurzem zu weiteren kleinen Bild-Fetzen, wie der (sowieso massig fotographierten) Siegessäule und erreichte heute morgen schließlich einen Höhepunkt mit der Darstellung von zwanzig der größten Städte Deutschlands: Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal. Weitere sollen folgen.

Der ganzen Aufregung wegen, die durch Politik und Presse verursacht wurde, verzögerte sich die Veröffentlichung. Die gern als Datenkrake dargestellte Firma Google dürfe keine Bilder von Häusern veröffentlichen. Obwohl das rechtlich gar nicht stimmt, denn niemand hat ein Anrecht auf die Ansicht seiner Fassade, lenkte Google schließlich ein und sorgte mit 200 Mitarbeitern dafür, dass etliche Häuserfassaden aus den Bildern entfernt wurden. Jeder Hausbesitzer kann eine solche Löschung beantragen, was bisher knapp 250.000 Menschen nutzten, etwa drei Prozent aller veröffentlichten Haushalte (siehe Bild).

Dabei ist StreetView nun wahrlich keine solche Neuerung. Täglich stellen Menschen tausende von Fotos unverpixelt ins Netz, Microsofts BingMap liefert in einigen Städten Schrägansichten aus verschiedenen Winkeln, über die noch weitaus besser in des Deutschen heiligen Vorgarten geschaut werden kann. In den USA hat Microsoft sogar schon einen eigenen Service, Streetside, gestartet und ähnlich wie Google Straße für Straße befahren und abgelichtet. Microsoft überlegt sogar, damit nach Deutschland zu kommen. Damit wären sie der dritte Anbieter dieser Art. Der dritte? Ja, von der Panikmache völlig unbeachtet, hat die kleine Kölner Firma Panogate GmbH bereits ihren Service Sightwalk gestartet. Berlin, München, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Bonn können, zumindest im Innenstadtbereich, durchwandert werden.

Ach und es gibt noch einen vierten „Service“ dieser Art: einige Menschen haben sich aufgemacht und füllen die Lücken, die Google nachträglich schaffen musste, mit eigenen Fotos auf.

Ich wünsche Street View jedenfalls einen guten Start in diesem unseren doch eigentlich recht fotogenen Lande und hoffe, dass auch unsere werten Mitbürger und -bürgerinnen mal über ihren Schatten springen können und diese weitere schöne Informationsquelle nutzen werden.

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Über Martin Vigerske

Hat 2005 sein Diplom und 2008 seinen Master in Kartographie und Geoinformation an der Beuth Hochschule für Technik Berlin (bzw TFH) beendet und arbeitet dort seit 2006 als Technischer Mitarbeiter im Labor für Geomedien.